BUCKAU IM HISTORISCHEN WANDEL

 

Buckaus Industriegeschichte

Das Dorf Buckau und das Kloster Berge

Zwar ist der Ursprung Buckaus nicht nachweisbar, doch lässt sich die erste urkundliche Erwähnung der slavischen Ansiedlung „Buchuvi“ auf den 21.09.937 zurückdatieren, als Kaiser Otto I. das Dorf dem in Magdeburg gegründeten Benediktinerkloster St. Mauritius schenkte. Die Geschichtsschreibung des 965 von den Benediktinern neu gegründeten und Johannis dem Täufer geweihten Klosters auf einer Anhöhe vor Magdeburg (daher der Name Kloster Berge) ist eng mit der Geschichte des Dorfes Buckau verbunden. Diverse Schenkungen und von Otto I. erteilte Privilegien bescherten dem Kloster großen Reichtum sowie religiöse und politische Bedeutung. Die im Kloster Berge beherbergte, 1565 (nach dem Bekenntnis zur protestantischen Konfession) von Abt P. Ulner gegründete Schule, später das Pädagogium, erlangte großes Ansehen auch außerhalb der regionalen Grenzen. Im März 1810 wurde die Schule, zu der bedeutende Schüler wie etwa Christoph Martin Wieland, Carl Friedrich Fasch und Friedrich von Matthisson zählten, endgültig geschlossen. Dorf und Kloster entstanden immer wieder beträchtliche Schäden und Abwanderungen durch zahlreiche Brände (wie z. B. 1070), Plünderungen (z. B. 1525), Krankheitswellen (Ende 17. Jh. Pest; Cholerawellen im 19. Jh.) und Belagerungen sowie strategische Zerstörungen, so beispielsweise 1546 im Zusammenhang mit dem Schmalkaldischen Krieg, 1629-31 während des Dreißigjährigen Krieges oder 1806 als der beliebte Poetengang mit 300jährigen Ulmen und Eichen auf preußischen Befehl für die Errichtung eines Walls gegen Napoleon abgeholzt wurde. Die Klostergebäude wurden einstweilen zum Teil an Sommergäste vermietet und dienten der französischen Armee während ihres Russlandfeldzuges als Lazarett. 1813 ließ Napoleon das Kloster und das dazugehörige Dorf Buckau endgültig zerstören.

 

Industrialisierung und die Stadt Buckau

Die von der Flucht vor Napoleons Truppen zurückgekehrten Buckauer fanden zwar ihr vormals ansehnliches Pfarrdorf demoliert und völlig verarmt vor, doch brachte schon bald die fortschreitende Industrialisierung dem ehemaligen Leineweber-, Fischer- und Handwerker-Dorf Arbeit, wirtschaftliches Wachstum und infrastrukturelle Erweiterung. 1838 erfolgte etwa der chausseemäßige Ausbau und die Pflasterung der Schönebecker Straße, sowie eine Eisenbahnanbindung, 1859 der Anschluss an die Wasserversorgung, 1860 der Ausbau der Schulgebäude und des Feuerlöschwesens, sowie 1886 die vollständige unterirdische Kanalisation So gründeten beispielsweise die beiden Magdeburger Kaufleute L. Dommerich und C. L. Zuckschwerdt 1819 eine Zichorienfabrik und Brennerei.

Zusätzlich wurden 1832 eine Essigfabrik, 1834 eine Chemische Bleicherei und Färberei (Weiterverarbeitung der in Neustädter Baumwollspinnereien hergestellten Produkte), sowie 1838 eine weitere Zuckerfabrik (Baumann & Maquet) und eine Porzellan-Manufaktur errichtet. Es folgten 1855 ein Eisenhammer- & Eisenwalzwerk (C. Gaertner), eine Maschinenfabrik (Jörning und Sauter) im Folgejahr und die Wasserkunst (Wasserwerk) auf dem Wolfswerder, außerdem J. D. Garretts 1861 gegründetes Unternehmen zur Produktion von Lokomobilen im Satz mit Dreschmaschinen, sowie eine Maschinenfabrik für Kesselarmaturstücke und Gießerei (W. Koch, L. Bantelmann, H. Paasch) im Jahre 1868 und die Maschinenfabrik von R. Langensiepen im Jahre 1875.

Mageburg –und vor allem Buckau – galt seit den 1840er Jahren als ein Zentrum des deutschen Dampfmaschinenbaus und hatte seit den 1850er und 60er auch die führende Position im deutschen Maschinen- und Apparatebau inne. Im Interesse niedriger Transport- und Grundstückskosten entstanden Ende des 19. Jahrhunderts viele Fabriken und Betriebe vor der Stadt (beispielsweise in Ackernähe für die Zuckerherstellung aus Rüben oder zur Zichorienverarbeitung). Buckau mit seiner zusätzlichen Nähe zur Elbschiffahrt und zum ersten größeren Güterbahnhof bot deshalb günstige Standortbedingungen als Alternative zum beengten Magdeburg. Nach der Einführung der Gemeindeordnung und -vertretung im Jahre 1851 erhielt die Ortschaft 1859 die inzwischen deren fortgeschrittenen Entwicklung angemessene Genehmigung der Städteordnung, denn Buckau wurde zum Magdeburger Industrie- und Arbeiterwohnort schlechthin. Bruno Thiem fungierte von 1863 bis 1887 als Bürgermeister von Buckau und veranlasste unzählige Erneuerungen in der sich fortwährend vergrößernden Stadt. Selbige wurde nach 28 Jahren Selbstständigkeit 1887 (mit über 17.000 Einwohnern) in den Kommunalverband der Stadt Magdeburg eingemeindet.

In der zweiten Phase der industriellen Revolution profitierten die Firmen vom wirtschaftlichen Aufschwung. Techniker, Ingenieure und Handwerksmeister ließen sich Erfindungen patentieren und gründeten (nicht selten mit Kapital eines teilhabenden Kaufmanns) eigene Spezialfabriken und zuliefernde Betriebe mit engen Produktionsverbindungen, sodass sich Magdeburg – vor allem aber Buckau – schon bald zu einem Maschinenbauzentrum entwickelte, in dem ein Großteil der Bevölkerung noch bis in die 1990er Jahre Arbeit fand. Seit den Achtzigern des 19. Jahrhunderts gingen deshalb die großen, leistungsfähigen Unternehmen – nicht zuletzt im Interesse des Betriebsfriedens – zu einer betrieblichen Sozialfürsorge über. So wurde beispielsweise 1981 von der Maschinenfabrik Buckau eine Beamten- und Meister-Pensionskasse und 1887 für langjährige Mitarbeiter des Budenberg & Schäffer Betriebs das „Budenbergstift“ mit kostenlosem Wohnrecht eingerichtet – noch heute ein Pflegeheim mit Mausoleum im Garten, in der Budenbergstraße 9. Sie legten entscheidende Grundlagen für den Weltruf, den sich der Magdeburger Maschinenbau über beinahe 150 Jahre bewahren konnte und der die Kennzeichnung „Made in Germany“ weltweit zu einem Gütesiegel für deutsche Wertarbeit werden ließ. Beispielhaft für diesen Industriegründertyp sind folgende erfolgreiche Wirtschaftspioniere mit ihrer Unternehmenschronik:

 

Die Dampfschiffahrts-Compagnie / Machinenfabrik Buckau AG / Maschinenfabrik Buckau R. Wolf

Die Werft, vor allem aber die Maschinenfabrik für den Bau von Dampfmaschinen und Dampfkesseln der 1838 gegründeten „Magdeburger Dampfschiffahrtsgesellschaft“ erlangten schon bald durch ihre Erzeugnisse hoher Qualität nationalen wie internationalen Ruf als eine der „klassischen Stätten des Dampfmaschinenbaus in Deutschland“. Dieser Ruf ist u.a. dem ersten vollständig in Buckau gebauten Raddampfer „Stadt Magdeburg“ (1839) zu verdanken. 1841 fand die Vereinigung mit einem Hamburger Unternehmen zur „Hamburg-Magdeburger Dampfschiffahrts-Compagnie“ statt, wobei sich aber für das Buckauer Werk der Name „Maschinenfabrik Buckau“ einbürgerte. Das im Volksmund unter dem Namen „Alte Bude“ bekannte, an der schiffbar gemachten Sülze-Elbmündung gelegene, (zunächst noch Holz-)Gebäude der Maschinenfabrik wurde zwar 1896 abgerissen und ersetzt, doch blieb dessen Bezeichnung den Arbeitern bis ins 20. Jahrhundert hinein im Gedächtnis. Diese eröffnete 1868 die erste Kettenschifffahrtsstrecke in Deutschland. Ab 1884 firmierte die Compagnie, die 1880 sämtliche Schiffe an die Deutsche Elbschifffahrtsgesellschaft Dresden „Kette“ verkaufte, unter dem Namen „Maschinenfabrik Buckau AG“ und zog sich schon bald aus ihrem ursprünglichen Produktbereich zurück. Sie erwarb 1906 zusätzlich die in Sudenburg ansässige Maschinenfabrik Röhrig & König, die Einrichtungen für Zuckerfabriken und Steinpressen herstellte. Ab 1886 bis einschließlich des Ersten Weltkrieges wurden Anlagen und Eimerkettenbagger zur Braunkohleförderung und für Brikettierungsanlagen (Unterstützung der Kriegswirtschaft), Kalksandsteinfabriken, Zucker- und Papierfabriken produziert, beständig erweitert und modernisiert.

 

Lokomobilenfabrik R. Wolf / Maschinenfabrik R. Wolf AG / Maschinenfabrik Buckau R. Wolf / SKL

Die 1862 von Rudolf Ernst Wolf (1831-1910) errichtete Maschinenfabrik (in der Nähe der Maschinenfabrik Buckau, heute Karl-Schmidt Str. 9-13), welche sich auf den Bau von Lokomobilen als Antriebsmaschinen in Landwirtschaft und Industrie spezialisiert hatte, erlangte als „R. Wolf, Maschinenfabrik und Kesselschmiede“ auf seinem Gebiet Weltruf, wurde zu einer der Hauptstätten der Entwicklung des deutschen Lokomobilbaus und Wolf bekam schon bald den Beinamen „Lokomobilenkönig“. Später wurde die Produktion auf Transmissionsanlagen, Zucker-, Stärke-, Zichorien-, Öl-, und Seifenfabrikausrüstungen sowie Sägewerke, Kreiselpumpen und Schiffsschrauben erweitert. In dem 1905/07 hinzu gebauten Werk in Magdeburg-Salbke wurden auch Dreschmaschinen und Strohpressen produziert und allmählich der Schwerpunkt der großen Dampfmaschinen/ Lokomobilen dorthin verlegt, während Buckau kleinere Lokomobilen fertigte. 1910 besaß das R. Wolf-Werk Zweigniederlassungen und Hauptdepots in 35 Ländern in Europa und Übersee. Wolfs Strategie der Kapitalstreuung zur Risikominimierung (stiller Teilhaber bei anderen Industrieunternehmen, wie Otto Gruson, Maschinenfabriken Buckau und Grevenbroich) führte 1927 zur Übernahme der 1878 gegründeten Maschinenfabrik Grevenbroich. (Das Werk Grevenbroich wurde nach 1947 nach BRD-Recht eine GmbH und firmiert seit 1998 als BWS Technologie GmbH, wobei BWS dabei für Buckau-Wolf Supraton steht und auf die Traditionslinie des Unternehmens hinweist).

1928 fusionierte die Maschinenfabrik R. Wolf AG mit der Maschinenfabrik Buckau AG zur „Maschinenfabrik Buckau R. Wolf AG, Magdeburg Buckau und Salbke“ (und leitete in diesem Zusammenhang die Fabrikation des Sudenburger Werks nach Salbke um), die u.a. Ausrüstungen für die Braunkohleindustrie und Dampfmaschinen sowie ab den 1930er Jahren und während des Zweiten Weltkriegs auch Feldküchen und Bauteile für U-Boote, Feldhaubitzen und Torpedos in ihrem Produktionsprogramm führte. Das typische Produktionsprofil des Buckauer Werkes bestand aus Braunkohleförder- und Verarbeitungsanlagen und bezog seit R. Wolfs Aktieneinstieg in das Otto Gruson Werk von dort Stahlerzeugnisse zur weiteren Verarbeitung. Lokomobile, Kreiselpumpen, Dieselmotoren, sowie Dampfmaschinen für Industrie und Schiffahrt wurden in Salbke gebaut. Weitere Fabrikübernahmen sowie die Rüstungsproduktion im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs führten zu einer erneuten Steigerung der Produktion und zu Neueinrichtungen von Werkstätten. Ab 1947 bekam das Unternehmen die neue Firmenbezeichnung „Buckau Wolf“ der Sowjetischen Maschinenbau AG Magdeburg. 1951 erfolgte die Umbenennung in „Schwermaschinenbau Karl Liebknecht“, besser bekannt unter der Abkürzung „SK“ (ab 1954 als VEB mit Hauptsitz in Salbke). Nach der politischen Wende 1989 wurden auf dem Salbker Werksgelände mehrere Unternehmen ausgegründet, die den Namen SKL bis heute weiterführen. Die alten Produktionsstätten Wolfs in der Buckauer Karl-Schmidt-Straße dienten als Betriebsberufsschule. Ab 1970 galt der VEB Schwermaschinenbau „Karl Liebknecht“ als Kombinats-Stammwerk.

 

Eisengießerei Otto Gruson & Co. / VEB Schwermaschinenbau „Georgij Dimitroff“ / SKET

Heinrich Ludwig Otto Gruson (1831-1886), der jüngere Bruder Hermann Grusons, gründete mit Aktienanteilen des Magdeburger Maschinenbau-Industriellen Rudolf Wolf in Buckau 1870/71 eine eigene Eisengießerei Otto Gruson & Co. Die Firma produzierte gusseiserne Zahnräder und war mit einem Bestand von mehr als 60 Zahnradformmaschinen eine der größten und leistungsfähigsten ihrer Art weltweit. Nach H. L. Ottos Tod 1863 übernahm sein Sohn Otto Gruson die Leitung des sich gut entwickelnden Unternehmens und baute es zu einem weltweit führenden Stahlformgußhersteller aus, der in zahlreiche europäische Länder, sowie Japan und die Sowjetunion exportierte. Das Werk fertigte neben verschiedenen Halbfabrikaten auch Antriebe für den Maschinenbau, Motorengehäuse sowie Schiffsanker. Die Firma Otto Gruson & Co., Magdeburg-Buckau fusionierte 1930 mit der Maschinenfabrik Buckau R. Wolf AG, wobei das Werk Otto Gruson weiterhin als eigenständiges Familienunternehmen bestand. 1952 erfolgte die Umwandlung des Betriebes in „Georgij-Dimitroff-Werk Sowjetische Aktiengesellschaft“ (Dimitroff SAG) und 1954 die Überführung in einen volkseigenen Betrieb der DDR, ab 1956 zusammen mit dem Buckauer Betriebsteil der ehemaligen Maschinenfabrik Buckau R. Wolf AG (aus dem Schwermaschinenbau „Karl Liebknecht“ herausgelöst) als VEB Schwermaschinenbau „Georgi Dimitroff“ Magdeburg-Buckau. Das neu zusammengelegte VEB „Dimitroff“ spezialisierte sich auf Stahlgusserzeugnisse und Ausrüstungen für die Braunkohle-, die Chemie- und die Lebensmittelindustrie. 1963 wurde der Betrieb abermals geteilt: das ehemalige Dimitroff-Werk (vormals Maschinenfabrik Otto Gruson) wurde an den VEB Schwermaschinenbau „Ernst Thälmann“ (SKET) angeschlossen und der ehemalige Buckauer Teil der Maschinenfabrik R. Wolf Buckau unter dem Namen VEB Schwermaschinenbau „Georgij Dimitroff“ weitergeführt. Letzterer ging in den VVB (Vereinigung volkseigener Betriebe) Bergbauausrüstungen, Krane und Förderanlagen über und unterstand ab 1979 als Zweigbetrieb dem neu gegründeten Kombinat TAKRAF. Nach 1989 blieb das „Dimitroff-Werk“ (auch das ehemalige Otto Gruson Werk) zunächst als Zweigwerk der dann privatisierten Takraf Schwermaschinenbau AG bestehen und firmierte nun wieder unter dem alten traditionellen Namen „Maschinenfabrik Buckau“ (MFB). Die neugegründete „3B Maschinenfabrik Buckau GmbH“ eine Tochter der „3B TEC Aufbereitungssysteme GmbH“ ging 1995 in Konkurs.

 

Maschinenfabrik Hermann Gruson / Friedr.-Krupp-Gruson Werk / SKET

Der frühere Technische Direktor der Maschinenfabrik der Dampfschiffahrts-Compagnie Hermann Jaques August Gruson (1821-1895) errichtete 1855 eine kleine Schiffswerft, Eisengießerei und Maschinenfabrik auf einem gepachtetem Gelände am Sülzeufer, nahe der Maschinenfabrik Buckau. Eine Neuanlage eines großen Werkkomplexes in der Buckauer Feldmark (Marienstr./ Dodendorfer Str.) erfolgte im Jahre 1869 als das Unternehmen aufgrund großer Nachfrage der Rüstungsindustrie im In- und Ausland stetig anwuchs. Es weitete sein Angebot auf den Bau spezialisierter Zerkleinerungsmaschinen für den Einsatz im Bergbau, Hütten- und Salinenwesen, in der Chemie- und Papierindustrie, ganzer Zementfabriken, Düngemittelbetriebe und Walzwerke etc. aus. Nach 1869 belieferte das Werk die Eisenbahn (Herz- und Kreuzungsstücke für Weichenanlagen der Magdeburger-Halberstädter Eisenbahn), das Preussiche Militär im Deutsch-Französischen Krieg (1870) und andere Maschinenfabriken mit seinen, aus einem neu entwickelten Hartguss bestehenden (Maschinen-)Teilen. 1893 schloss sich die Maschinenfabrik und Eisengießerei Hermann Gruson AG dem bis dahin ständigen Konkurrenzkonzern „Friedrich Krupp Essen“ an. Die Rüstungsproduktion wurde bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs in Essen konzentriert, während im Buckauer Werk der Schwermaschinenbau (u.a. Verseilmaschinen, sowie Bau von Dieselmotoren) verblieb. Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs stieg das Buckauer Friedr.-Krupp-Gruson-Werk wieder im größeren Umfang in die Herstellung von Kriegserzeugnissen (auch für Luftwaffe und Marine) mit ein und produzierte v.a. Geschütze und panzerbrechende Hartgussgeschosse. Trotz seiner großen kriegsbedingten Schäden und Reparaturleistungen, nahm das Unternehmen schon bald unter sowjetischer Besatzung den Betrieb wieder auf. 1946 war es das Krupp-Gruson-Werk, welches die erste Schuttverarbeitungsmaschine baute und neben der Johanniskirche aufstellte. Zu DDR-Zeiten besaß das seit 1951 als Schwermaschinenbau „Ernst Thälmann“ (ab 1953 VEB) und seit 1969 als Stammwerk des Schwermaschinenkombinats „Ernst Thälmann“ (SKET) bekannte Krupp-Gruson-Werk einen großen Bekanntheitsgrad und stieg zum größten Schwermaschinenbaubetrieb der DDR auf. Ab 1945 wurden Walzwerksanlagen, Maschinen und Anlagen für die Drahtseil- und Kabelindustrie, Zerkleinerungsanlagen, Schwerlastkrane, hydraulische Pressen und andere Erzeugnisse gefertigt.

1990 wurde das Buckauer Werk als eine von damals acht Firmen des SKET-Verbundes in die Schwermaschinenbau Magdeburg GmbH umgewandelt. Trotz eines Privatisierungsversuchs der Salzgitter Maschinenbau AG 1993 erfolgte im Oktober 1996 die Gesamtvollstreckung. 1997 wurden folgende Auffanggesellschaften gegründet: die SKET Maschinen- und Anlagenbau GmbH (kurz SKET MAB GmbH), die SKET Maschinenbau-EDV GmbH (seit 2000 SKET EDV GmbH), die SKET Ölsaatentechnik GmbH (seit 1977 Cimbria SKET GmbH), die SKET Verseilmaschinenbau Buckau GmbH und die SKET Walzwerktechnik GmbH. 1998 erfolgte daraufhin die Privatisierung der SKET MAB GmbH, durch die Investoren A. Wobben (Enercon, Aurich) und H. Buse (Logaer Maschinenbau, Leer), die ihre Anteile 2003 an die Enercon Gruppe (Aurich) übertrugen. Das Unternehmen, welches heute mit der zusätzlichen Fertigung und Montage von Windenergieanlagen-Komponenten als einer der führenden Dienstleister im deutschen Maschinen- und Anlagenbau gilt, zog sich auf das Gelände an der Schilfbreite zurück, auf dem sich auch die Cimbria SKET GmbH, die SKET EDV GmbH und die 2001 gegründete Magdeburger Walzwerk Engineering GmbH befinden. Die SKET Verseilmaschinen GmbH kaufte 1997 der Mittelständler J. E. Wilms und ließ 1999 den bisherigen Standort vom SKET Südgelände an der Schilfbreite auf das eigene Betriebsgelände in der Schönebecker Str. 82-84 verlegen (Teilgelände des ehemaligen Dimitroff-Werkes). 1994 entstand in der Halle an der Dodendorfer Straße (Grusons ehemalige Panzergießerei) ein Technikmuseum.

 

Schäffer & Budenberg / VEB Meßgeräte- und Armaturenwerk „Karl Marx“/ VEB Meßgerätewerk „Erich Weinert“

1858 verlegten Bernhard Schäffer (1823-1877; Erfinder des Plattenfeder-Manometers) und Christian Friedrich Budenberg (1815-1883), ihre „Maschinen- & Dampfkessel-Armaturenfabrik“ von Magdeburg nach Buckau in die Schönebecker Chaussee, wo sie als Zulieferer von Messgeräten und Armaturen für Maschinenfabriken von 1861 bis 1882 ständig Erweiterung fand und international expandierte (Filialen in Aussig, Warschau, Zürich, Wien usw). Getrennt durch Straßenzüge entstanden fünf größere Betriebsteile – in der Schönebecker Str. 8-13, 124, Budenbergstr. 1-7, Klosterbergestr. 7-13, außerdem Produktionsstätten in der Dorotheen-, Coqui- und Freien Straße (heute Karl-Schmidt-Straße).

Otto Arnold übernahm 1883 die Leitung und bot neben Kupfer- und Messingguss, nach dem Aufkauf der 1907 in Konkurs gegangenen und zu einer Eisengießerei umgebauten Lokomobilenfabrik Garrett Smith & Co., nun auch Eisen- und Stahlguss an. Während des Ersten Weltkriegs lieferte der Betrieb u.a. Zielgeräte für Marineartillerie und Präzisionsteile für Torpedos, im Zweiten Weltkrieg auch weitere Teile für die Marineausrüstung. 1946 fand die Umwandlung in den SAG Betrieb „Meßgeräte- und Armaturenbau Buckau“ statt, der 1951 in Meßgeräte- und Armaturenwerk „Karl Marx“ umbenannt wurde (ab 1954 VEB) und sich ab 1958 zum Leitbetrieb für Entwicklung und Konstruktion des neu gegründeten VVB Armaturen entwickelte. Die Fusion mit dem ehemaligen Poltewerk (VEB Schwerarmaturenwerk „Erich Weinert“) zum VEB Magdeburger Armaturenwerke „Karl Marx“ (bekannt als „MAW“) erfolgte 1960. Aus dem MAW wurde 1965 der ehemalige Messgerätebau (Schönebecker Str. 124) herausgelöst und als VEB Meßgerätewerk „Erich Weinert“ weitergeführt. Nach der politischen Wende ging daraus die Meßgeräte GmbH Magdeburg hervor, die 1992 als „messMa Magdeburg GmbH & Co. Meßgeräte KG“ neugegründet und 2001 von der Siemens-Gruppe als „messMa GmbH“ übernommen wurde. Die ehemaligen Betriebsgebäude der Firma Schäffer & Budenberg wurden teilweise vermietet, abgerissen oder verfielen leerstehend, bis 2009 die Messma-Projektgesellschaft mbH & Co.KG die Herausforderung annahm und seither dort mittels Umbau, Sanierung und städtebaulicher Neuordnung die Umgestaltung des Baudenkmals bzw. der Industriebrache zu einem Wohn- und Geschäftshaus mit modernen, exklusiven Loftwohnungen unternimmt.

 

Maschinen- und Armaturenfabrik C. Louis Strube / Maschinen- und Armaturenfabrik Magdeburg AG / VEB Spezialarmaturen im VVB „Sanar“ /MAW

1879 ließ Conrad Louis Strube (1838-1899) in der Porsestraße 19 neue Fabrikationsanlagen (inkl. Eisen- und Metallgießerei und Formerei) für seine 1864 gegründete Maschinen- und Armaturen-Fabrik errichten. Bei der Herstellung von Armaturen und Garnituren für (Dampf-)Maschinen (zunächst speziell für Zuckerfabriken, später auch Produkte für den Einsatz im Eisenbahn- und Schiffbau) konnte sich Strube mehrfach auf eigene Patente und Entwicklungen stützen. Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft mit Beteiligung des Fabrikanten Rudolf Wolf erfolgte 1889. Ihren guten Ruf weitete die Fabrik seitdem durch konkurrenzfähige Erzeugnisse international aus. 1918 wurde die C. Louis Strube AG durch die Polte Armaturen- und Maschinenwerke mehrheitlich (durch Aktienkäufe) übernommen und firmierte weiterhin unter dem Namen „Maschinen- und Armaturenfabrik Magdeburg Buckau AG“, wurde aber später als Tochterfirma übernommen. Nach der Enteignung des zum Großteil zerstörten Werkes 1946 erfolgte 1948 zusammen mit der Magdeburger Armaturen- und Metallwarenfabrik (vormals Polte-Werk) die Bildung des VEB „Sanar“ Großarmaturenfabrik Magdeburg, ab 1954 als VEB Spezialarmaturen im VVB „Sanar“ und 1956 der Anschluss an den VEB Meßgerätewerke und Armaturenwerk „Karl Marx“ (ehemals Schäffer & Budenberg) als Betriebsteil Spezialarmaturen. Ab 1960 gehörte der Betrieb zum vereinten VEB Magdeburger Armaturenwerk „Karl Marx“ (ab 1970 Kombinat). Auf dem Firmengelände befindet sich seit 1990 das „Strube Center“ (zunächst Vermietung durch die Mawena Engineering GmbH, später IFA Haldensleben), welches durch denkmalgerechte Fassaden- und Innensanierung verschiedener Gebäude auf dem Gelände (2000-2008) einen attraktiven Gewerbestandort für verschiedene Firmen wie Servicebetriebe mit Werkstätten/ Lagern, Ingenieur- und Architektenbüros, Werbeagenturen, Künstler und Heilkunde-Einrichtungen bietet.

 

Buckau ab dem Zweiten Weltkrieg – Blütezeit des Maschinenbaus und seine Zukunft

Magdeburg nahm mit seiner Lage und dem Potenzial der hier konzentrierten Maschinen- und Anlagenbaubetriebe einen wichtigen Platz in den kriegswirtschaftlichen Plänen des Hitler-Regimes ein. Im Zweiten, wie auch schon im Ersten Weltkrieg, profitierten die Maschinen- und Apparatebaufabriken als Zulieferer verstärkt von Rüstungsaufträgen, staatlichen Subventionen und Steuervorteilen. Die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensverhältnisse für die in der Rüstungsindustrie Beschäftigten führte zu Massenstreiks, Hungerkrawallen und politischen Streiks, wodurch die Produktion oft einem Stillstand erlag. Buckau litt in dieser Zeit zusätzlich unter verheerenden Luftangriffen und Bombardierungen – nicht zuletzt aus strategischen Gründen, da die Gegner zunächst die Rüstungsproduktion, die sich vor allem in Magdeburg(-Buckau) konzentrierte, ausschalten wollten.

Im Herbst 1945 wurde auf Befehl der sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) der Kern des Buckauer Maschinen- und Anlagenbaus beschlagnahmt, zwangsverwaltet und später in Sowjetische Aktiengesellschaften umgewandelt bzw. ab 1946 nach dem Potsdamer Abkommen teilweise demontiert und verstaatlicht (Eigentum der Provinz Sachsen-Anhalt). Nach der behelfsmäßigen Produktion von Waren des unmittelbaren Bedarfs und der Ableistung von Reparationszahlungen in der Nachkriegszeit fand seit 1946 der zielstrebige Wiederaufbau und Ausbau der Werke statt, wobei die klassische Produktionspalette der Vorkriegszeit wieder aufgenommen und erweitert wurde und im sowjetischen Gebiet einen großen Absatzmarkt fand. In den großen Betrieben wurden Grundlagen für eine Arbeits- und Sozialpolitik zur Steigerung der Arbeitsproduktivität und Verbesserung der Lage der Arbeiter und Angestellten gelegt. Zwar plante man in den 1960ern ein Wohnungsbauprogramm, das den Abriss ganzer Bereiche Buckaus und die bestandsorientierte Stadterneuerung vorsah – ein Stadtentwicklungsprojekt sah sogar vor, das „dunkle Arbeiterwohngebiet Engpass Buckau“ in eine „Perle des Stadtbezirkes Südost“ zu verwandeln – doch wurde jenes in den 1970er Jahren aus „Kosten- und Kapazitätsgründen“ zurückgestellt. Die Auflagen der Volkswirtschaftspläne mussten erfüllt werden und führten oft dazu, dass Rückstände zum Jahresende durch kostspielige Zusatzeinkäufe von Materialien und Sonderschichten der Beschäftigten wieder ausgeglichen werden mussten oder Meldungen darüber geschönt wurden. Die überdimensionierte Sozialpolitik der DDR und Schwierigkeiten in der Wirtschaft (mit dem Absatz auf dem Weltmarkt und den Westschulden für Modernisierungsmaßnahmen) führten jedoch schon bald zur Zahlungsunfähigkeit des Staates.

Nach dem Einigungsvertrag 1990 gingen die Volkseigenen Betriebe in die Verfügung der Treuhand-Anstalt und damit in Bundesvermögen über. Schwerpunktsetzung „Privatisierung vor Sanierung“ und dadurch direkte Einflussmöglichkeit westdeutscher Konkurrenzunternehmen (konnten sich kostengünstig der ostdeutschen Konkurrenz entledigen) sowie das Wegbrechen der für den exportorientierten Maschinenbau lebenswichtigen Absatzmärkte in Osteuropa durch die Einführung der D-Mark (Verteuerung der Exportprodukte) führte selbst die leistungsfähigen Betriebe in den Untergang und zum Verlust zehntausender Arbeitsplätze – fachlich gut ausgebildete und erfahrene Stammbelegschaften – sowie zur Massenarbeitslosigkeit.

Magdeburg wurde somit weitgehend deindustrialisiert (Zerlegung der Kombinate und Großbetriebe in als überlebensfähig angesehene Teilbetriebe) bzw. zu einer Stadt der Zweigwerke westdeutscher und ausländischer Unternehmen. Vor allem im Stadtteil Buckau kündeten seitdem Industriebrachen von einem Kahlschlag. Die Areale der Schwermaschinenbaubetriebe schrumpften in Folge von Umstrukturierungsmaßnahmen immer weiter. Erst zum Ende der 1990er Jahre erholte sich die Wirtschaft und kann seit Anfang des neuen Jahrhunderts einen anhaltend stabilen Aufschwung verzeichnen. Die Hoffnung eines Beschäftigungsschubs knüpfte man in diesem Zusammenhang an die Stärkung des Profils Magdeburgs als Wissenschaftsstandort sowie als gewerblich-industrieller Schwerpunkt dank günstiger Verkehrsanbindung über Wasser, Straße und Schiene (Güterverkehrszentrum) und die Förderung des Industrie- und Logistikzentrums sowie des Magdeburger Handelshafens in Magdeburg-Rothensee. Ein weiterer wirtschaftlicher Fokus liegt seitdem ferner auf dem reanimierten Maschinenbau ebenso wie auf dem Spezialbau, denn die Nachfolger der Großunternehmen vollziehen als mittelständische Traditionsunternehmen, anknüpfend an alte Produktionsfelder und Exportbeziehungen, einen erstaunlichen Wiederaufstieg.